Museumsentwicklungskonzept aktuell

Leider entwickelt sich die Entwicklung eines „Museumskonzepts für Augsburg“ anders als erhofft (bzw. genau so wie befürchtet): Beteiligt sind vor allem die hauptamtlichen Akteure der Augsburger Kunstsammlungen, die sich gegenüber den externen „Entwicklern“ im positiven Licht zeigen und vor allem ihr – zuvor bereits auch in Zeitungsinterviews verbreitetes – Mantra wiederholen: Wir haben zu wenig Personal, zu wenig Geld und zu wenig Ausstellungsräume. Alles richtig, doch die Frage nach der inhaltlichen und konzeptionellen Ausrichtung der städtischen (Kunst-)Museen bleibt dabei außen vor.

Auch die beiden öffentlichen Veranstaltungen waren eher enttäuschend: Während der Vortrag von Dr. Rodekamp durchaus innovative Anforderungen an Museen heute formulierte, reduzierte sich die anschließende Diskussion auf die bekannten Probleme.

Wirklich ärgerlich war dann aber der Abend, an dem Workshops und Ideensammlungen zum Thema „Museen in Augsburg“ angekündigt waren. Nach einer sehr langatmigen Einführung der beiden „Museumsentwickler“ mit eher banalen Fakten zu den Augsburger Kunstmuseen konnten zwar schriftliche Kurzstatements zur Augsburger Museumssituation nach verschiedenen Kategorien (Augsburger Lieblingsmuseum; Alleinstellungsmerkmale; Was fehlt? Erwartungen? etc.) abgegeben werden, doch geriet die Auswertung doch eher zur improvisierten Farce. Eine vertiefte Diskussion über die Ergebnisse dieses „Brainstormings“ kam dann überhaupt nicht mehr in Gang. Auffällig war, wie oft den Repräsentanten der Kunstsammlungen in der begleitenden Verfahrensdiskussion das Wort erteilt wurde, während Kritiker vergeblich darauf warteten, dass sie ihre Vorstellungen genauer darlegen konnten.

Insgesamt drängte sich der Eindruck auf, dass die Kunstsammlungen und hier wiederum die Vertreter des Römischen Museums ihre Anhänger gut mobilisieren konnten und zugleich von den Moderatoren sehr viel Redezeit eingeräumt bekamen, während kritische Stimmen kaum zur Geltung kamen. Vor allem kam es zu keinen direkten Dialog etwa zwischen den Machern des Maximilianmuseums und Kritikern, die sich dort mehr ein stadtgeschichtliches Museum wünschen.

Schade auch, dass die nicht-städtischen Museen nur eine Randrolle spielten, obwohl gerade sie die Augsburger Museumslandschaft mit sehr schmalem Budget und minimaler Personalausstattung durchaus bereichern.

Kaum thematisiert wurde zudem, dass die Stadtgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (Industrialisierung/ Arbeiterbewegung, Technik- und Mobilitätsgeschichte, Revolution von 1918/18, Nationalsozialismus/ Rüstungsindustrie/ Zwangsarbeit in den Augsburger Museen so gut wir gar nicht berücksichtigt wird.

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