TIM-Ausstellung „Glanz und Grauen“

Die Ausstellung „Glanz und Grauen“ im TIM schmückt sich – für den Außenstehenden nicht sofort erkennbar – mit fremden Federn: Denn etwa 80 % der Ausstellungsstücke wurden mitsamt der Ausstellungstexte von einer Ausstellung des Industriemuseums „Cromford“  des Landschaftsverbandes Rheinland übernommen. Ergänzt wurde die Ausstellung durch großformatige Augsburg-Bilder, den den Augsburg-Bezug suggerieren sollen.

Mit der Übernahme der Ausstellung wurden aber auch deren Schwächen übernommen: Denn im Vordergrund steht vor allem die  Damenmode der gehobenen Kreise der 1920er bis 1940er Jahre mit entsprechenden Damenkleidern. Diese werden – oft wenig nachvollziehbar – einigen Themenfeldern des Nationalsozialismus zugeordnet, wobei diese mit weiteren Objekten – vor allem Büchern und Zeitschriften – ergänzt werden, um den historischen Zusammenhang zumindest formal herzustellen.

Viel zu kurz kommt demgegenüber – verursacht vor allem auch durch die fehlende Überlieferung – die „Kleidermode'“ der  einfachen bzw. der von den Nationalsozialisten vorfolgten Gruppen. Der isoliert präsentierte „Judenstern“ oder die Mode der Swing-Jugend bzw. der bündischen Jugend stellen hier eher ein Alibi dar, ebenso wie der dramatisch in schwarz gestaltete Raum zur Schuhprüfstrecke im KZ Sachsenhausen (wobei Schuhe eigentlich nichts mit dem ‚Thema „Mode“ zu tun haben, zumal es bei der Schuhprüfstrecke vor allem um militärisches Schuhwerk ging).

Am beeindruckendsten sind da noch die selbst genähten/ gestrickten Kleidungsstücke von Elisabeth Domberger, ohne dass aber näher auf deren sehr kurzes Leben eingegangen wird. Beeindruckend sind auch die Umgestaltungen von NS-Kleidung in Alltagskleidung nach 1945.

Nicht bzw. nur am Rande werden die Rolle der chemischen Zellstoffindustrie als „Rohstoffersatzindustrie“ erwähnt, die die heute durchaus beliebte Viskose-Faser herstellte. Nicht bzw.  nur sehr am Rande berücksichtigt wird vor allem die diskriminierende Kleiderordnung der Nationalsozialisten, insbesondere die Kleiderordnung in den Konzentrationslagern. Kaum berücksichtigt wird aber auch die Uniformierung des Alltags durch SA-/SS-/Militäruniformen, so dass insgesamt der Eindruck einer vielfältig individualistisch-kreativen Kleidermode entsteht, die – vor allem bei den Männern – kaum der Wirklichkeit entsprochen haben dürfte, da diese einem starken Uniformierungsdruck ausgesetzt waren.

 

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