Zur geplanten Maximilian I. – Ausstellung

Für das Jahr 2019 planen die Kunstsammlungen eine große Ausstellung über Kaiser Maximilian als „Kaiser – Ritter – Bürger“ (vgl. Ausstellungskonzept 74).  Als Etat für die Ausstellung sind ca. 600.000 Euro vorgesehen von denen 250.000 Euro durch Eintritt und Zuschüsse erwirtschaftet werden sollen. Dabei sind allein 245.000 Euro für den Transport und die Versicherung von Leihgaben aus anderen Museen, 55.000 Euro für die Erarbeitung eines Katalogs und 10.000 Euro für die Eröffnung vorgesehen.

Inhaltlich soll vor allem die besondere Beziehung zwischen dem Kaiser und „seiner“ Stadt Augsburg betont werden. Dabei besteht die Gefahr, dass der Mythos der glänzenden Zeiten unter Maximilian I. fortgeschrieben wird und deshalb vor allem die glänzenden Seiten seiner Aufenthalte, die Bankette, die Turniere, die geistvollen Unterhaltungen mit Augsburger Gelehrten sowie die Privilegien für Augsburg und Augsburger Bürger hervorgehoben werden ebenso wie die Förderung des Kunsthandwerks, so dass sich Augsburg auch 500 Jahre nach Maximilians Tod sich in dessen Glanz sonnen kann.

Doch waren die Zeiten bei weitem nicht so glänzend: Maximilian selbst war so ein hochverschuldeter Kaiser, vor allem auch bei seinen Augsburger Gläubigern, der als Sicherheit vor allem die Bergrechte in seinem Erbland Tirol verpfändete. Als kaiserlicher „Stadtherr“ der Reichsstadt Augsburg lebte er vor allem auf Kosten der Stadt und ihrer BürgerInnen, zumal ja nicht nur er selbst, sondern auch sein Gefolge versorgt werden musste. Viele Waren wurden daher teurer und für den einfachen Augsburger oft unerschwinglich. Auch viele Sonderrechte schränkte die Freiheit der einfachen Augsburger ein. Und wenn Maximilian zur Jagd ausritt, nahm er sicher keine Rücksichten auf die Felder der Bauern…

Lieblingshobby Maximilians war das Ritterturnier, aber auch abseits davon war er ein „Krieger“, der viele und lange Kriege vor allem gegen Frankreich führte und so den Grundstein für die deutsch-französische „Erbfeindschaft“ legte.

Die Macht des Hauses Habsburg weitete er aber nicht nur durch Kriege aus, sondern auch durch eine strategische Heiratspolitik, indem er Heiraten seiner Kinder und Enkel mit Angehörigen des europäischen Hochadels arrangierte (so wie auch seine eigene Heirat mit Maria von Burgund von seinem Vater arrangiert worden war), zuletzt kam es sogar zu Kinderhochzeiten, um die dynastischen Erbansprüche der Habsburger beizeiten abzusichern.

Maximilian war so ein hochverschuldeter Kaiser, ein rücksichtsloser Machtpolitiker und ein seine Privilegien ausnutzender Stadtherr Augsburgs. Dies herauszuarbeiten, wäre kritische Geschichtsarbeit im Sinne Brechts.

Grundsätzlich stellt sich die Frage der Zielsetzung solcher Ausstellungen: Dienen sie in erster Linie dem Augsburg-Tourismus (Tagesausflug mit Ausstellungsbesuch auf den Spuren von Kaiser Maximilian) oder der Steigerung des kunstwissenschaftlichen Renommées der KatalogautorInnen oder dienen sie dazu, das historisch-kritische Geschichtsbewusstsein der AugsburgerInnen zu schärfen (auch wenn das mit der noch häufig anzutreffenden Verklärung der Augsburger Stadtgeschichte, vor allem der „Goldenen Zeiten“ in Konflikt tritt.)

 

 

 

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